Stadtführerin Arja Jacob

5 Fragen an Arja Jacob

Heute geht es weiter mit unserer Rubrik „5 Fragen an“. Als Gesprächspartnerin haben wir uns für Arja Jacob entschieden. Arja machte sich vor 14 Jahren mit ihrem Unternehmen Berlin Locals selbständig und ist Stadtführerin aus Leidenschaft. Vor der Corona-Pandemie zeigte sie hauptsächlich US-amerikanischen Touristen die vielen Facetten der deutschen Hauptstadt. Immer an Arjas Seite ist ihre Hündin Lulu. Mit ihr zusammen hat Arja auch für uns schon viele Ecken und Winkel von Berlin und Umgebung durchstreift. Denn von ihr stammen die lialo Touren zur Charité, Potsdam und Alt-Schöneberg. Wir wollten von Arja wissen:

Wie sehr hat die Corona-Pandemie tatsächlich Dein tägliches Leben verändert?

Arja Jacob: Da ich als selbständige Stadtführerin durch die Pandemie von heute auf morgen arbeitslos geworden bin, hat sich mein Leben von Grund auf verändert. Allerdings nicht unbedingt zum Schlechten. Diese Zwangspause hat mir die Möglichkeit gegeben, mal wieder etwas durchzuatmen und mich auf andere Dinge als Arbeit zu konzentrieren. Es war natürlich Glück, dass bei uns gerade der Frühling ausgebrochen war und der Sommer bevorstand. Und damit alle Freizeitaktivitäten, die man so im warmen Wetter unternimmt, pandemiekonform unternommen werden konnten. Ich war schon lange nicht mehr so viel am See, im Wald und mit Freunden im Freien unterwegs wie in diesem Jahr. Das hat wirklich gut getan. Und weil man ja so eine Pandemie auch zu seinem Vorteil nutzen kann, habe ich angefangen zu malen, zu backen, zu kochen und Sport zu treiben. Das mache ich auch alles immer noch und bringt eine neue Qualität in meinen Alltag. Auch beruflich hat mich diese Zeit weitergebracht, da ich mich einfach mal hinsetzen und reflektieren und darüber nachdenken konnte, wie es weitergehen soll, wozu man sonst eigentlich nicht kommt. Natürlich habe ich auch mal einen Tag, wo ich mich um die Zukunft sorge, aber dann kommen neue Arbeitsmöglichkeiten wie bei lialo daher und Alles sieht wieder etwas rosiger aus.

Hast Du Tipps, was man tun kann, um Euch Tourguides in dieser speziellen Situation zu unterstützen?

Arja Jacob: So wie ich machen viele Tour Guides virtuelle Touren. Falls euch mal langweilig ist und ihr was über die eine oder andere Stadt erfahren wollt, sucht im Netz nach Anbietern und Touren und gebt den Kollegen eine Chance ihren Job zu machen. Ansonsten würde ich sagen, spart Geld für Eure nächste Reise für die Zeit nach der Pandemie.

Du hast Dein Herz an Berlin verloren. Aber in welcher anderen Stadt könntest Du Dir vorstellen, dauerhaft zu leben?

Arja Jacob: Das ist schwierig, es gibt so einige davon. Ich habe ein Jahr in Neuseeland gewohnt und das kleine Örtchen Wanaka war ein wunderschöner Ort zum Leben, auch wenn er auf Dauer für mich zu klein wäre. Ich bin ein großer Fan von Krakow, Lubljana und Riga. Da hätte ich allerdings leichte Sprachschwierigkeiten, was aber auch eine interessante Herausforderung wäre. Aber ich bin in Berlin schon sehr glücklich, denn gerade für mich als Historikerin wird es hier einfach nicht langweilig.

Machst Du bei Deinen Reisen auch mal bei geführten Touren mit? Welche hat Dir besonders gefallen? 

Arja Jacob: Es gehört für mich mittlerweile dazu, in neuen Städten und auch gerne in Schlössern und Museen geführte Touren zu machen. Am liebsten mit einem privaten Guide, den ich mit all meinen Fragen bombardieren kann. Lustigerweise hat mich eine Tour durch das Schloss Königs Wusterhausen vor langen Jahren von allen mit am meisten beeindruckt. Ich habe selten einen so begeisterten Guide erlebt, der so gut erzählen konnte und uns so für sein Thema begeistert hat, dass ich danach angefangen habe, die Geschichte der Hohenzollern von hinten nach vorne zu studieren. Auch in Wien habe ich einen Kollegen, mit dem ich immer wieder gerne Touren mache, weil er es auch nach mehr als einem dutzend Besuche schafft, mir etwas Neues zu zeigen.

Was war die lustigste Frage, die Du jemals von einem Berlin-Touristen gehört hast?

Arja Jacob: Ein Tourist fragte mich mal: „Wenn Hitler die Kommunisten nicht mochte, warum hat er dann in Ostberlin gewohnt?“

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