Die Kaiserplatane: Stille Wächterin vom Potsdamer Platz

Die Kaiserplatane: Stille Wächterin vom Potsdamer Platz

Wohl jeder Berliner/in und jeder Berlin-Tourist hat sie schon mal gesehen. Wahrscheinlich unbewusst, dabei ist sie eine ziemlich imposante Erscheinung. Und eins ist klar: Wenn sie sprechen könnte, dann hätte sie richtig viel zu erzählen! Die Rede ist von der imposanten Kaiserplatane an der Potsdamer Straße. Anlässlich der Hochzeit des Kronprinzen (später Kaiser) Friedrich III. mit Prinzessin Viktoria wurde sie im Jahr 1858 gepflanzt. Damals war die Gegend rund um den Potsdamer Platz noch eine schmucke Villengegend. Ohne Sony-Center, ohne Philharmonie, ohne Nationalgalerie, ohne Staatsbibliothek… Eine unglaubliche Vorstellung, was dieser Baum alles um sich herum erlebt hat, oder?

Der Potsdamer Platz im Wandel der Zeit

Die Villengegend wich in den 1920iger Jahren dem größten Verkehrsknotenpunkt Europas – mit einer der ersten Ampelanlagen auf dem ganzen Kontinent. Nach dem zweiten Weltkrieg lag die Gegend rund um den Potsdamer Platz zum größten Teil in Trümmern. Danach, während der Teilung Deutschlands, wurden alle noch stehenden Gebäudeteile abgerissen und der Potsdamer Platz fristete jahrzehntelang ein einsames Dasein als Brachland. Nur die Kaiserplatane war seinerzeit stille Zeugin.

Dann erlebte sie den Wiederaufbau und die Entwicklung zum Vorzeigeprojekt der neuen deutschen Hauptstadt. Zwischenzeitlich gab es immer mal wieder Überlegungen, den Baum zugunsten des Straßenbaus zu fällen. Glücklicherweise konnte das bisher jedes Mal durch den Einsatz Berliner Bürger verhindert werden. Und so steht sie noch immer an ihrem Platz. Groß und ruhig und wunderbar!

Schaut mal bei ihr vorbei, wenn ihr das nächste Mal in der Gegend seid. Wer vor der Kaiserplantane steht, vergisst für einen Moment den Großstadtlärm um sich herum und denkt sich, dass man ihr wohl ewig zuhören könnte, wenn sie denn nur alle ihre Erlebnisse und Beobachtungen erzählen könnte.

Tipps
  1. Wenn ihr in Berlin auch andere stille Zeugen der Zeit besuchen wollt, empfehlen wir euch die Liste besonderer Einzelbäume auf berlin.de.
  2. Der Tagesspiegel beschreibt sehr detailliert und eindringlich, warum die Berliner Bäume bedroht sind.
  3. Ganz in der Nähe, am Brandenburger Tor startet die lialo Tour „Tiergarten, Tiergarten oder Tiergarten?„. Auf dem Spaziergang durch den gleichnamigen Park gibt es viele Geheimnisse und Geschichten zu entdecken.